Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Regionales Nachhaltigkeitsforum Nordhessen
(Entwurf)
Präambel
Die Auswirkungen der vom Weltmarkt abhängigen Ökonomie sind überall spürbar: Fehlende Arbeitsplätze, steigende Aktienkurse bei gleichzeitigem Personalabbau, die Erosion der sozialen Sicherungssysteme, zunehmende Armut in den Regionen, ins Ausland abwandernde Unternehmen, Lohndumping, Ausbau des Niedriglohnsektors, usw. Immer mehr Menschen sind dadurch von Unsicherheiten, Existenzängsten und durch den Verfall der Menschenwürde bedroht. Gleichzeitig fordern die sich verschlechternden Umweltbedingungen, die Verknappung der fossilen Energieträger und die Klimakatastrophe mehr denn je zu einem nachhaltigen ökologischen Wirtschaften und Leben auf.
Eine wichtige Strategie, um dem ökologischen und sozialen Zerstörungsprozess des zunehmend unkontrollierten Weltmarktes entgegenzuwirken, ist der Aufbau von alternativen Wirtschaftsstrukturen von unten: Lokale Wirtschaftskreisläufe, soweit wie möglich unabhängig von den Zwängen des Weltmarktes sind imstande, die Grundbedürfnisse der Menschen zu sichern und lebenswerte Alternativen aufzubauen. Grundlegend für diesen Prozess ist das Besinnen auf die eigenen, regionalen Ressourcen: Die Eigenversorgung mit Lebensmitteln, eine dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien bis hin zu eigenen Währungen. Besonders die solidarisch und selbstverwaltet arbeitenden Unternehmungen (Betriebe/Projekte/Einrichtungen/Initiativen) begegnen der Vereinzelung, der abhängigen, entfremdeten Arbeit und fördern ein solidarisches Miteinander der Menschen in den Regionen. Arbeitsplätze können so erhalten bzw. neu geschaffen werden.
Die Solidarische Ökonomie beinhaltet die Umsetzung und Förderung dieser Elemente. Das Nachhaltigkeitsforum Nordhessen hat sich dies als Aufgabe und Ziel gesetzt.
Leitbild
- Die Arbeit des Forums ist der regionalen Öffentlichkeit, den Interessen aller BürgerInnen, dem langfristigen Gemeinwohl und der natürlichen Vielfalt, der Boden- und Wasserqualität der Region Nordhessen verpflichtet.
- Es strebt gemeinschaftliche Lösungen an, für die es möglichst fachübergreifende, innovative, motivierende Aktionen, Informationen und Runde Tische initiiert.
- Die Bedürfnisse aller BürgerInnen sollen bei der Arbeit des Forums mit dem Ziel des Gemeinwohls einbezogen werden.
- Das Förderprinzip besagt, dass das erwirtschaftete Kapital in der Region bleibt und dass neue Formen des solidarischen Wirtschaftens eingeschlagen werden können. So können auch Arbeitsplätze neu geschaffen und erhalten werden.
- Die gemeinsame Beteiligung an den wirtschaftlichen Unternehmungen (Betriebe/Projekte/Einrichtungen/Initiativen) bringt auch gemeinsame Entscheidungen in Selbstverwaltungsprozessen mit sich. Eine Demokratisierung und regionale Identität sind Weg und Ziel zugleich.
Ziele des Forums
- Das „Regionale Nachhaltigkeitsforum Nordhessen“ will Öffentlichkeit schaffen für nachhaltiges Wirtschaften in der Region.
- Unter nachhaltigem Wirtschaften verstehen die Forumsmitglieder
o Solidarisch und demokratisch geführte Unternehmungen (Betriebe/Projekte/Einrichtungen/Initiativen), die zugleich regionale Kreisläufe stärken,
o Lokale Ökonomie fördern,
o Regionale Produktketten (für Haupt- und Nebenprodukte) aufbauen und
o Abhängigkeit der Region von externer alltäglicher Versorgung minimieren.
- Alle Unternehmungen (Betriebe/Projekte/Einrichtungen/Initiativen), die sich diesen Zielen nachhaltigen Wirtschaftens verpflichtet fühlen können Mitglieder des Forums werden.
- In diesem Sinne will es mit allen kooperieren, die dieses Ziel teilen und Synergien fördern.
- Es will die Vernetzung dieser Unternehmungen ermöglichen und dazu beitragen, dass Assoziationen gebildet werden.
- Es strebt die Begleitung, Beratung und Förderung der Gemeinschaftsunternehmungen (Betriebe/Projekte/Einrichtungen/Initiativen) durch ihre Ausbildung an. Die Ausgangsbedingungen für Neugründungen sind durch das im letzten Jahr novellierte Genossenschaftsgesetz verbessert worden.
- Dadurch will das Forum Gründungsprozesse von Gemeinschaftsbetrieben sowie ihre Konsolidierung und Kooperation untereinander und mit ihren Kommunen, Landkreisen, Regierungsbezirken fördern.
- Es will die regionalen Währungsinitiativen unterstützen.
- Das Forum will den internationalen Wissenstransfer über Solidarische Ökonomien ausbauen und den Transfer von Know-How und Managementwissen der Forumsmitglieder ermöglichen.
Arbeitsweise des Forums
- Das Forum trifft sich regelmäßig viermal im Jahr, um gelungene Beispiele zu hören und sie bekannt zu machen.
- Es bildet Arbeitskreise für mögliche Projekte, Studien, Aktionen.
- Über seine Tätigkeit informiert das Forum direkt in Vorträgen in Organisationen auf dem Land und in der Stadt, in Kommunalen- und Kreisverwaltungen, in Gewerkschaften und Kirchengemeinden etc., über die Website und in der Presse.
- Lobbyarbeit wird Teil der Öffentlichkeitsarbeit sein.
- Teilnahme und Gestaltung an und von Messen wird angestrebt.
- Interdisziplinäre Begleitung für Gemeinschaftsunternehmungen kann über die Universität Kassel angefragt werden.