Ziele und Arbeitsweise
Was ist Solidarische Ökonomie?
Solidarische Ökonomie ist eine andere Art zu produzieren, zu verkaufen, zu konsumieren bzw. zu leben. Indem die Arbeit kollektiv, solidarisch und hierarchiefrei organisiert wird, stellt die Solidarische Ökonomie eine Strategie für die Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung und der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse dar. Es geht um die nachhaltige Entwicklung der Gemeinschaft und nicht nur weniger Individuen.
In der Solidarischen Ökonomie werden in kooperativer Form lokale Potentiale mit lokalem Bedarf verknüpft, wobei die Solidarität eine große Rolle spielt, und das Kapital eine dienende Funktion zu Gunsten der Gemeinschaft einnimmt, weil bei der Regionalentwicklung durch alternative Wirtschaftsstrukturen der Fokus auf den Menschen selbst liegt.
Wichtige Prinzipien sind die Selbstverwaltung, Kooperation, ökologisches Handeln, Gemeinschaftsorientierung der Wirtschaftsunternehmen.
Die Einrichtung von regionalen Wirtschaftskreisläufen durch die Besinnung auf die regionalspezifische Potentiale hat zusätzlich eine ökologisch und sozial stabilisierende nachhaltige Wirkung auf die Regionen. Die erwirtschafteten Gewinne fließen nicht mehr ab, sondern eine regionale Wertschöpfung kommt zustande.
Um die Vorteile der Solidarischen Ökonomie nutzen zu können, muss gemeinsam über die einzelnen Organisationen hinaus ein Netzwerk der einzelnen solidarischen Akteure entstehen, damit der Bedarf an hochwertigen Gütern und Dienstleistungen gedeckt werden kann.
Wo liegen die Wurzeln der Solidarischen Ökonomie?
Die Solidarische Ökonomie ist eine weitläufige und dynamische Soziale Bewegung. In Europa lässt sich ihre Entstehungsgeschichte auf die Arbeiter- bzw. Genossenschaftsbewegung zu Beginn des Industriekapitalismus zurückführen, in der Arbeiter/innen eine Antwort auf die Armut und Arbeitslosigkeit suchten. Durch die genossenschaftliche Organisation wollten die Arbeiter/innen ihre wirtschaftliche Autonomie zurückerobern.
Die Solidarischen Ökonomie lässt sich aber auch u.a. in der bis heute andauernden gemeinschaftlichen Bewirtschaftung von Wiesen, Wäldern und Seen, der gemeinsamen Wassernutzung, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften, Interessentenwäldern, Maschinen-ringen usw. ausmachen, durch die ein soziales Beziehungsnetz der Nutzer aufrecht gehalten wird.
Welche Formen kann die Solidarische Ökonomie haben?
Zu den Akteuren der Solidarischen Ökonomie zählen gemeinschaftliche suprafamiliäre Organisationen wie Vereine, solidarische Kreditsfonds, selbstverwaltete Betriebe, Produktionsgruppen, Tauschringe, Netzwerke, Regiogeld usw., die folgende Charakteristika aufweisen:
• Selbstverwaltung (ein Mensch = eine Stimme, gemeinsame Entscheidungsprozesse, gemeinsames Eigentum an Kapital)
• Ökologisches Bewusstsein (Sensibilität bei der Nutzung von Material, Energie, Wasser und Fläche, Bezug auf regionale Kreisläufe)
• Kooperation (gemeinsames Nutzen von Eigentum und Gütern, Partizipation an solidarischen Netzwerken)
• Wirtschaftsunternehmen (mindestens eine Person ist in ihm angestellt bzw. alle Mitglieder haben einen wirtschaftlichen Zuverdienst durch ihre gemeinsame Tätigkeit in ihm)
• Gemeinwesenorientierung (Einsatz für die allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen der Gemeinschaft und nicht nur für die individuellen; solidarisches Verhältnis zwischen den Kulturen und Geschlechtern; Unterstützung von strukturschwachen Regionen)
Was passiert in Nordhessen?
Unterstützt durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HWWK) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) führt ein Forschungsteam an der Universität Kassel die Studie „ Solidarische Ökonomie in Nordhessen- Kartierung Solidarischer Wirtschaftsunternehmen und Gründungsberatung“ durch, mit der die bereits existierenden Betriebe, Initiativen usw. bekannt gemacht und vernetzt werden sollen.
Hierfür wird ein Informationssystem Solidarische Ökonomie (ISÖ) aufgebaut. Das bedeutet, die Solidarischen Wirtschaftsunternehmen (SWU) und Einrichtungen zur Unterstützung, Hilfe und Förderung der Solidarischen Ökonomie in den nordhessischen Landkreisen und in Kassel werden identifiziert und ihre Charakteristika erhoben. In jedem Landkreis gibt es kooperierende Institutionen, die an dem Regionalen Nachhaltigkeitsforum Nordhessen teilnehmen und die Studie durch ihre Mitarbeit unterstützen.
Gleichzeitig geht es darum, neue Ideen aus der Region aufzunehmen und deren Realisierung in die Wege zu leiten und zu begleiten. Hierfür bietet das Projekt den Rahmen einer Gründungsberatung, die auf die spezifischen Bedürfnisse einer Gründung im Bereich der Solidarischen Ökonomie eingeht und den gesamten Prozess der Projektentwicklung - Gruppenbildung, Organisations- und Rechtsform, Ziele und Identifikation, Wirtschaftlichkeit etc. - begleitet. Die Beratung erfolgt in Kooperation mit ExpertInnen und bereits existierenden Gruppen und dient der Stärkung des Leitbildes Solidarische Ökonomie für die nachhaltige Entwicklung der Region.
In der Studie werden Solidarische Wirtschaftsunternehmen und Vereine in Nordhessen untersucht, die gemeinwesenorientiert arbeiten. Es können auch ehrenamtliche Tätigkeiten eingeschlossen sein.
Wo bekommen Sie mehr Informationen?
Universität Kassel
Nora-Platiel-Str. 5
34127 Kassel
Raum: 2121
Tel.: 0561-804-7123 / 0561-804-3127
Fax.: 0561-804-3738
Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg (Projektleitung): muellerp@uni-kassel.de
Kristina Bayer (Gründungsberatung): kristina.bayer@uni-kassel.de
Alexandra Stenzel (Kartierung der SWU): a.stenzel@uni-kassel.de