Landkreis Kassel
Energisch regional !
Stadtteilgenossenschaft Netzwerk Wehlheiden
In Nordhessens Wäldern lebt es sich fernab von der Mainmetropole Frankfurt, die üblicherweise das öffentliche Geschehen Hessens bestimmt, eher beschaulich und ruhig. Dickschädelig wie sie sind und wild wie die Landschaft ist, haben die Chatten (Urhessen) es schon damals geschafft sich die Römer vom Leibe zu halten und als freie Germanen, Raubritter und Bauern zu siedeln.
Die Region liegt zwar wirtschaftlich gesehen an den untersten Rängen des Westens (Arbeitslosenquote ca. 10%) doch haben die Einwohner eine hohe Affinität dazu. Als Neueinsteiger wird man in Kassel genau definiert: Der Ureinwohner nennt sich Kasseläner; wer in Kassel geboren ist darf sich Kasselaner nennen und die Zugezogen heißen schlicht und einfach Kassler. Essen tut man jedoch grüne Soße und ahle Wurscht, beäugt in diesem Jahr die Besucher der Dokumenta und liegt seit der Wende genau im Herzen Deutschlands.
Die Menschen hier, im Gegensatz zu den freizügigen Südhessen, sind auf den ersten Blick eher maulfaul, grimmig und verschlossen, werden aber dann zu guten zuverlässigen Freunden, Kollegen oder Nachbarn mit denen man mindestens Pferde stehlen kann.
Wehlheiden liegt in Kassel und Kassel war viele Jahre lang die Metropole Deutschlands bezogen auf die Kneipendichte und da wundert es nicht, daß die Idee für die Stadtteilgenossenschaft im Umfeld einer solchen entstanden ist.
Es ging darum eine wirtschaftliche und soziale Heimat zu finden und zwar genau da wo man lebt und bleiben möchte. Die Initiatoren der Genossenschaft sind Handwerker, Selbstständige, Arbeitssuchende und Menschen aus Kassel.
Glücklicherweise konnte die Entwicklung der Genossenschaft durch eine quagenoqualifizierte Genossenschaftsexpertin von Anfang an professionell begleitet werden. Mit Unterstützung durch den ZdK ist es gelungen binnen einen Jahres die Genossenschaftsgründung zu bewältigen. Derzeit steht die Genossenschaft kurz vor der Eintragung.
Ziel der Genossenschaft und in der Präambel festgeschrieben ist: „die Entwicklung gemeinsamer zukunftsorientierter Arbeitsweisen, sowie die Absicherung und Erweiterung des sozialen Umfeldes von Bewohnerinnen und Bewohnern im Stadtteil Wehlheiden, Kassel, sowie Umland.“
Der Geschäftsanteil beträgt 200 €. Das Gründungskapital beträgt 1.800 €.
Der genossenschaftliche Arbeitsauftrag laut Satzung lautet: „Die Genossenschaft unterstützt ihre Mitglieder, insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen durch: die Vermittlung von Aufträgen, Verkauf von Produkten auf dem Gebiet der Bau-, Gartenbau und Haustechnik; Das Anbieten von Arbeiten im Bereich des Energiesparens und der Energietechnik, Durchführung eigener Projekte im Bau- und Sanierungsbereich und Bürodienstleistungen für Mitglieder.“
Die Theorie ist einfach und leicht lassen sich in der Satzung Geschäftsfelder definieren. Wie aber setzt man diese um, wenn kein bis fast kein Startkapital vorhanden ist ?
Nach einigem auf und ab entschlossen sich die Genossen für einen sachten und vorsichtigen Einstieg und Aufbau der Genossenschaft. Es wird daher im ersten Jahr keine Festanstellungen geben, sondern es wird auf Eigeninitiative und Eigenleistungen gesetzt. Auch bei einer 50%-igen Förderung eines Arbeitsplatzes durch die Arbeitsverwaltung ist das Risiko durch das anfangs fehlende Eigenkapital in die Insolvenzgefahr zu geraten zu hoch.
Die abgespeckte Ausgabenseite im ersten Jahr soll durch 2 Maßnahmen erwirtschaftet werden:
1. Regelmässige Risikobeiträge der Genossen, die nachträglich in zinslose, rückzahlbare Kredite umgemünzt werden, falls die Finanzlage dies zulässt.
2. Provisionen für Vermittlung von Aufträgen, die über die Tische der Genossenschaft wandern. Dabei erhält derjenige, der den Auftrag besorgt eine Provision und der ihn bekommt zahlt. Die Differenz verbleibt in der Genossenschaft
„Weil´s zumehrt leichter geht !“
und weil man in Nordhessen beständig und stur ist – baut die Genossenschaft auf ein stetiges Wachstum und die Menschen der Region „Unsere Genossenschaft ist ein verbindlicher Zusammenschluss von Handwerksunternehmen, Freiberuflern, Dienstleistern und Privatmenschen.“
Weil´s auch mal kracht und im Getriebe knartscht, wenn viele sich zusammentun hat es sich in der Vergangenheit als vorteilhaft erwiesen, daß ein Mitglied des Netzwerks Mediatorin ist. Ein moderierter Prozess, der mögliche Konflikte im Fokus hat ist Gold wert, insbeondere wenn auf genossenschaftliche Selbsthilfe und Eigenleistungen gesetzt wird.
Kontakt:
Netzwerk Wehlheiden eG
Schönfelderstr. 10a
34121 Kassel
Telefon: 0561 – 20 28 075